Infos zum 5-Ton-Folgeselektivruf-Verfahren gemäß ZVEI
- Teil I : Geschichte und Hardware -

In den 1980'er Jahren wurde vom ZVEI [Zentralverband für Elektrotechnik und Elektronikindustrie e.V.] ein deutscher Selektivrufstandard verabschiedet, bei dem es sich um einen 5-Ton-Folgeselektivruf handelt. Die Frequenzen der bei dieser Methode ausgesendeten Töne liegen im Bereich zwischen 800 Hz und 2600 Hz, sind also somit sehr deutlich. Das Besondere an diesem Verfahren - im Gegensatz zu anderen - ist die hohe Sicherheit bezüglich einer Fehlauslösung. Als weiteres Merkmal wurde ein Quittungsystem in dieses Selektivrufverfahren implementiert, welches dem Rufer eine akustische Bestätigung seines Anrufes gibt.

In [West-] Deutschland kommt der ZVEI-Selektivruf hauptsächlich im BOS-Funk zum Einsatz, so zum Beispiel bei der Feuerwehr, den öffentlichen Verkehrsbetrieben oder dem Rettungsdienst und hat sich hier bis heute bewährt.




       ZVEI - Zentralverband für Elektrotechnik und Elektronikindustrie e.V.
 




Im CB-Funk machte die Firma Stabo zu Beginn der 1980'er Jahre den Anfang und führte ein Selektivruf-Gerät für CB-Funkgeräte ein, welches [in leicht modifizierter Form] nach dem 5-Ton ZVEI-Prinzip arbeitete: Das Stabo SC-100.

Selektivrufgerät Stabo SC-100
Stabo SC-100

Anmerkung: Natürlich hatte es schon vorher (entwickelt in den 1960'er und 70'er Jahren) im CB-Funk Selektivrufsysteme - basierend auf dem DTMF-Verfahren - gegeben, welche jedoch nicht Thema dieses Beitrages sind.

Das SC-100 wurde anfangs in zwei Varianten ausgeliefert. Einmal als 3-Ton-Selektivrufgerät [SC 100-3] und als 5-Ton-Selektivrufgerät [SC 100-5]. Der Vertrieb der Dreitonvariante wurde jedoch sehr bald eingestellt. Ansonsten präsentierte sich das SC-100 mit einer konventionellen Schaltung bzw. Aufbau und arbeitete vollkommen analog. Zum Einstellen der dreistelligen Gruppenkennzahl musste das Gerät geöffnet und im Inneren nach Farben geordnete Drahtbrücken gesetzt werden. Die zweistellige Kennung des Adressaten konnte man mit zwei Potis auf der Frontseite des Gerätes leicht einstellen. Zum Selektieren betätigte man einen Taster, welcher sich sofort wieder in seine Mittelstellung bewegte.



Ende der 80'er Jahre brachte Stabo eine modernisierte Version seines Selektivrufgerätes auf den Markt: Das SC-110G. Es arbeitete ebenfalls nach dem 5-Ton-Selektivrufverfahren gemäß ZVEI und war absolut kompatibel zu seinem Vorgänger, dem SC-100, bot jedoch einige Verbesserungen.


Selektivrufgerät Stabo SC-110G

Stabo SC-110G

So war die technische Ausführung und Bedienung des SC-110G digital konstruiert worden, es hatte für die nutzerfreundliche Anwendung zwei Speicherplätze und ließ sich per Tastenkombination programmieren [ein Öffnen des Gerätes - wie beim Vorgänger - war nicht mehr nötig]. Eine Lithium-Batterie mit fünfjähriger Lebensdauer sorgte für den Erhalt des Speichers. Weiterhin hatte es eine Anschlussmöglichkeit für eine Sirene, um einen ankommenden Ruf nicht nur optisch [wie beim SC-100], sondern auch akustisch zu signalisieren.
Zu Beginn der 1990'er Jahre sprang auch die Firma dnt auf den ZVEI-Selektivruf-Zug auf. Dabei setzte dnt jedoch nicht auf Zusatzgeräte wie Stabo, sondern verfolgte ein eher ganzheitliches Konzept. So wurde der 5-Ton-Folgeselektivruf direkt in die hauseigenen Funkgeräte eingebaut. Die Carat-Exclusiv stellte dabei den Beginn dieser Ära dar.

1992 präsentierte dnt eine neue Generation von CB-Funkgeräten. Die dnt Zirkon - als erstes Funkgerät der neuen PROFI line - wurde auf den Markt gebracht und war ein voller Erfolg. Neben vielen Neuerungen und Verbesserungen [nicht Thema dieses Beitrages; weitere Infos hierzu sind aber in dnt-Sektion zu finden] war auch in dieses Gerät ein 5-Ton-Selektivruf gemäß ZVEI eingebaut. Doch dnt setzte dem Ganzen noch ein Sahnehäubchen auf: Zusätzlich zu den genormten fünf Tönen sendete die Zirkon zwei weitere Töne mit der Absenderkennung des Rufers aus. Ein anderes Gerät der PROFI line wertete nun diese beiden zusätzlichen Töne mit aus und zeigte im Display die Kennung desjenigen an, der selektiert hatte. Eine akustische Signalisierung [unterscheidbar zwischen Einzel- und Gruppenruf] bot das Gerät selbstredend.



dnt Zirkon
        dnt Zirkon
 



dnt Saphir dnt Micro AS dnt Meteor
     dnt Saphir                           dnt Micro AS                                 dnt Meteor

dnt setzte seinen Triumph-Zug allenthalben fort und gewann mit der Zirkon 1993 den begehrten CB-Funk-Oscar der Zeitschrift CB-Funk. Alsbald erweiterte dnt seine PROFI line mit der Saphir, der Meteor und einige Zeit später mit dem Handfunkgerät Micro AS. Alle diese Geräte wiesen mindestens die selben Eigenschaften wie die Zirkon auf und boten individuell weitere Raffinessen. Der dnt-typische ZVEI-Selektivruf mit 5+2 Tönen war ebenfalls bei allen Geräten integriert und ermöglichte es dem Funker komfortabel und gezielt einen Gesprächspartner - egal mit welchem der Funkgeräte - anzuselektieren, respektive anselektiert zu werden.



Der Hersteller Alan CTE blieb beim Thema 5-Ton-Selektivruf nach ZVEI ebenfalls nicht untätig und entwickelte Anfang der 1990'er - ähnlich wie Stabo - ein Zusatz-Selektivruf-Gerät: Das Alan MC5z.

Der Vorteil des MC5z lag [theoretisch] an seiner universellen Einsetzbarkeit, denn es war im Gegensatz zum SC-100 oder SC-110G nicht nur für Funkgeräte geeignet, die eine entsprechende Molex-Anschlussbuchse besaßen, sondern für jedes mit 6-Pol-GDCH-Norm-Mikrofon-Anschluss ausgestattete Funkgerät passend, denn es wurde einfach zwischen Mike-Buchse und Mikrofon eingeschleift. Die Bedienung fand über das Zahlen-Feld statt, die Stummschaltung aktivierte man über einen auf dem Kopf des MC5z befindlichen Schalter.

Im Unterschied zum SC-110G oder den dnt-Geräten der PROFI line floppte dieses Selektivrufgerät jedoch recht bald. Es war im Anschaffungspreis sehr teuer und in Deutschland generell schwerlich zu bekommen. Des Weiteren war das Alan MC5z von Werk aus auf eine fünfstellige Kennung vorprogrammiert.


Selektivrufgerät Alan MC5z
Alan MC5z                                          

Eine Neu- bzw. Um-Programmierung der dreistelligen Gruppenkennzahl und der eigenen Kennung war nur mir einem speziellen Programmieradapter möglich, der ebenfalls in Deutschland kaum erhältich war und wenn, dann nur für viel Geld.